JHV 2016: Ist das noch mein VfL?

Knapp fünf Stunden ging sie. Es wären gewiss noch einige weitere gefolgt. Doch um kurz vor Mitternacht, als gerade rund die Hälfte der angesetzten Tagesordnungspunkte abgearbeitet waren, wurde die Fortführung auf den 16. Januar vertagt. Vor lauter kontroverser Diskussionen schien die Mehrheit der anwesenden Mitglieder angesichts eines anstehenden Arbeitstages bereits ermüdet. Moment mal. Warum lädt man die Mitglieder nicht einfach an einem Sonntagvormittag zur Jahreshauptversammlung ein? Hierzu gab es sogar vor einigen Jahren einen Antrag, der mit deutlicher Mehrheit von der Versammlung angenommen wurde. Die Ansetzung an einem Montag ist nicht nur mir ein Dorn im Auge, bietet der Sonntag doch zwei essentielle Vorteile: Einerseits besteht kein Zeitdruck, da bis in den Abend hinein getagt werden kann. Das Risiko von weiteren Vertagungen wird minimiert. Andererseits bietet man auch auswärtigen Mitgliedern wie beispielsweise mir (Dortmund) eine Möglichkeit der Teilnahme, die sich innerhalb der Woche oft eher schwierig gestaltet. Trotz einiger Kritik am Termin schien sich das Präsidium nicht zu schade den Irrsinn munter weiterzutreiben. Am 16. Januar, einem Montag natürlich, steht die zweite Hälfte der Tagesordnungspunkte zur Debatte. Juhu, ich freue mich schon auf die Rückfahrt nachts nach Dortmund.

„Was die anderen sagen finde ich aus Prinzip nicht gut.“

Doch nun zu den Inhalten: Es wurde einmal mehr deutlich, wie groß die Differenzen zwischen Vereinsführung und Mitgliedern sind. Aber auch innerhalb der Mitgliederschaft ist es ein Leichtes zu erkennen, wie sehr die Meinungen auseinandergehen. Es gleicht fast schon einem Grabenkampf und erinnert stark an das US-amerikanische Wahlsystem mit zwei großen Parteien. Auf der einen Seite die fanpolitisch sehr engagierte Fanabteilung mit ihren Sympathisanten, auf der anderen Seite die kritisch gegenüber der Fanabteilung eingestellten Mitglieder, die herangezogenen Jugendspieler des Vereins sowie die dem Vorstand nahestehenden Personen. Es regiert ein „Was die anderen sagen finde ich aus Prinzip nicht gut.“ Doch die Inhalte beider Parteien geraten durch die sture und ablehnende Haltung leider immer mehr in den Hintergrund. Ich selbst habe mich zum Großteil bei Abstimmungsfragen enthalten, da ich die generelle Atmosphäre als keine gute Grundlage für die aus meiner Sicht wichtigen Entscheidungen ansehe. Wenn bereits im Vorfeld der Veranstaltung klar ist, dass die einen nicht mit den anderen können und gegenseitige Akzeptanz Mangelware ist, dann scheint etwas gewaltig schief zu laufen.

Es gilt die verhärteten Fronten aufzulockern und näher zusammenzurücken. Doch genau das Gegenteil ist derzeit der Fall. Das kann nicht gut gehen, denn auf Dauer leidet der von beiden Seiten geliebte Verein unter dem Stillstand.

Längst nicht alles Gold was glänzt 

Es ist längst nicht alles Gold was bei der Fanabteilung glänzt, doch sollte die dort von vielen ehrenamtlichen Mitgliedern geleistete Arbeit von allen geschätzt werden. Es werden vereinspolitische Ideen kreiert, Anträge unterbreitet, Verbesserungsmöglichkeiten ausgelotet und Kandidaten für verschiedene Ämter aufgestellt. Sprich: Es wird etwas getan. Diese Art der intensiven Auseinandersetzung mit der Vereinspolitik hat es lange nicht gegeben, wenn überhaupt. Und genau das ist das Positive. Immer mehr VfLer beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit ihrem Verein. Dass dabei nicht immer Dinge herauskommen, die letztlich von Erfolg gekrönt sind, ist logisch. Doch dass kritische Gegenfragen der Fanabteilungsmitglieder direkt ein Raunen oder Kopfschütteln bei einigen hervorrufen, kann ich nicht nachvollziehen. Es ist genau das, was uns weiterbringt. Lebendige Diskussionen fördern die Vereinskultur. Ein ständiges Abnicken nach dem Motto „Das wird schon seine Richtigkeit haben“ hat uns lange genug in eine falsche Richtung gelenkt. Man sollte also jede Ansicht wenigstens respektieren, auch wenn man nicht derselben Meinung ist. Denn ich behaupte, dass es jedem Redner einzig und allein um das Beste für seinen VfL geht.

Alle Mitglieder respektieren!

Auch den Mitgliedern, die sich gegen die Vorschläge der Fanabteilung ausgesprochen haben, liegt der Verein am Herzen. Ihnen wurde am Montag leider ebenfalls mit einigem Spott und unnötigen Sprüchen entgegnet. Um hier ausnahmsweise Pele Wollitz zu zitieren: „Lasst die Scheiße sein!“. Es wird nicht besser dadurch, so viel ist sicher. So angebracht mancher Einwand der Fanabteilung sein mag, so sinnvoll sind auch viele Einwände, die das Präsidium vorträgt. Auch wenn es teilweise auch  nur rechtliche Rahmenbedingungen sind, die eingehalten werden müssen. Die Vereinsmitarbeiter leisten ebenfalls ihr Bestmögliches, um den Klub voranzubringen. Dies kann ich aus eigener Erfahrung auf jeden Fall bestätigen.

Man stelle sich vor man selbst sitzt oben auf dem Podium und muss einer grundlegend zerstrittenen Mitgliederschaft zusprechen. Und das bei einem Verein, dessen große Stärke eigentlich die gemeinschaftliche Geschlossenheit und der bedingungslose Zusammenhalt sind. Schön ist anders, denn auch das überregionale Image des Klubs leidet unter den Querelen. Und irgendwie blutet das eigene VfL-Herz doch auch ein wenig dabei…

Direkte Kommunikation, um Fronten zu lockern

Die Gräben sind tief. Gegenseitiges Misstrauen, Schuldzuweisungen und Skepsis stehen im Vordergrund. Diese Schieflage gilt es zu berichtigen. Es braucht eine Art Aussprache, einen Face-to-Face Dialog zwischen den Parteien, die sich meist nur einmal im Jahr auf der großen Hauptversammlung begegnen. Ein Ausräumen der Bedenken beider Seiten ist nötig, um wieder gemeinsam Ziele angehen zu können. Ein „Weiter so“ gefährdet nicht nur die weitere Entwicklung des VfL, sondern nimmt einem schlichtweg auf Dauer auch die Freude am Verein. Letztlich geht es doch um ein Hobby, für das die Mitglieder ihre Zeit opfern. Und der Sinn hinter einem Hobby ist die Freude daran. Es wäre wünschenswert, wenn alle Beteiligen nach einer Jahreshauptversammlung mal wieder mit einem guten Gefühl den Heimweg antreten könnten. Doch hierzu bedarf es in erster Linie der gegenseitigen Annäherung.

Ist er das noch, mein VfL?

Eine Annäherung, die am Montag fast schon ausgeschlossen schien. Wenn nicht mal mehr auf die Inhalte des anderen geachtet, sondern nur nach Lagerdenken vorgegangen wird und somit die strikte Ablehnung untereinander anhält, ist dies in meinen Augen nicht mehr mein VfL, wie ich ihn mir vorstelle. Ich bin zwar nur ein Mitglied von vielen, aber sicherlich eines, dem der VfL mehr als nur am Herzen liegt. Gute Nacht.

2 Kommentare zu “JHV 2016: Ist das noch mein VfL?

  1. „Wie sehr die Meinungen auseinandergehen“: diesem Fazit schließe ich mich vollumfänglich an! Und: Wie könnte es in einer auch sonst ‚gespaltenen Gesellschaft‘ sein.

  2. Wie immer, Daniel,
    … richtige Beschreibung der verfahrenen Situation.

    Beim Bund heisst es: Gib nie einen Befehl, den du nicht durchsetzen kannst. Aus meiner Vereinsarbeit weiß ich: Stelle nie in einer Mitgliederversammlung etwas zur Abstimmung, was nicht mehrheitsfähig ist oder wo die Gefahr erheblich ist, dass es scheitert.

    Eine Mitgliederversammlung ist m.M.n. eine Konsensveranstaltung, die die Einheit des Vereins betont und nicht seine Zerissenheit. Die Klärung offener Streitpunkte findet immer im Vorfeld statt, ansonsten hat die Vereinsführung (!) ihre Arbeit nicht gemacht. Das Prinzip „Gib mir was, dann kriegste was zurück“ funktioniert eigentlich immer. Aber teilen scheint nicht mehr modern zu sein.

    Obwohl über Weihnachten …?

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