Kuschelkurs beim Derby – Muss das sein?

Es ist mal wieder Derbyzeit! Die Vorfreude auf das langersehnte Kräftemessen mit dem Rivalen steigt an und die Gemüter fangen mehr oder weniger schnell an sich zu erhitzen. Münster gegen Osnabrück, allein bei der Aussprache dieser Begegnung durchdringt den echten Fan ein emotionaler Kick. Wenn der Kartenverkauf startet, stehen sie wieder Schlange. Die Erwartungen sind hoch; ein Derbysieg würde über mehrere Wochen hinweg beflügeln und manchen Fan mehr bedeuten als alles andere. Sticheleien in der Presse, ausverkauftes Stadion, enges Treiben in der Kurve, lautstarke Gesänge in Richtung des Gegners, knisternde Stimmung und beeindruckende Choreografien lassen die Herzen vor Anpfiff höher schlagen.

Nun wurde das bevorstehende Derby in den letzten Tagen und Wochen schon ordentlich angeheizt. Ein Spieltagsplakat auf der Website von Preußen Münster, welches mit Spieler Amaury Bischoff warb, der vor etwa einem Jahr VfLer Tom-Christian umholzte, ließ erstes Unverständnis aufkommen. Der Hick-Hack um einen möglichen Transfer von Massimo Ornatelli in die verbotene Stadt setzte noch einen drauf. Wer ist nun Schuld, dass eben jener Spieler verbrannt ist? Preußen-Vorstand Carsten Gockel und VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend haben offensichtlich unterschiedliche Auffassungen über den Verlauf der Geschehnisse. Während beim VfL von einem Angebot mit Ablösesumme gesprochen wird, das später wieder reduziert wurde, wehrt sich Gockel gegenüber ,,Westline.de“ strikt gegen diese Aussagen und behauptet kein Angebot abgegeben zu haben. So oder so ist der Spieler Ornatelli der Leidtragende, egal welche Einzelheiten nun stimmen oder eben nicht.

Doch was dann zu Wochenbeginn aus dem Boden gestampft wurde, hat den Großteil der Fans die Kinnlade runterfallen lassen. ,,Westfälischer Friede“ lautet die neue Kampagne, mit der unser VfL und Preußen nun die Brisanz vor dem Spiel nehmen wollen. Autsch.
Ich zitiere einen Kommentar von Kalla W., der es auf den Punkt bringt: ,,Wie kann man solch einen Stuss, der wahrscheinlich mit infantiler Hingabe sogar gut gemeint ist, von Vereinsseite auch noch unterstützen? Anstatt die Wogen zu glätten, wird damit noch mehr Öl ins Feuer gegossen. Wie unendlich dämlich kann man denn noch sein? Wie unendlich weit kann man als Vereinsführung denn noch von der Fanszene entfernt sein? Unfassbar.“

Richtig! Wie unendlich weit kann man noch von der Fanszene entfernt sein? Wie soll man vor allem im Derby das lila-weiße Trikot noch mit Stolz und Ehre tragen, wenn dort das Wappen des Erzrivalen auf der Schulter prangert? Dafür fehlen einem die Worte und man fragt sich ernsthaft, ob die Initiatoren dieser Aktion vorher im Ansatz über diesen Aspekt nachgedacht haben. Egal wie klein das Preußen-Logo auch sein mag; allein das Gefühl und die Vergewisserung, dass es auf unserem Trikot eingestickt ist, reicht aus, um aus dem Kopfschütteln nicht mehr rauszukommen und sich zu fragen, ob man gerade ernsthaft von Vereinsseite versucht, die Rivalität zu verstecken.

Von Rivalitäten lebt der Fußball! Rivalität gab es immer und wird es immer geben. Sie macht den Reiz im Fußball aus und lässt sowohl Fans, Verein und Spieler zusammenschweißen. Ob in der Kreisliga, Oberliga oder Bundesliga – überall gibt es diesen einen Klub, gegen den es besonders wichtig und bedeutend ist, zu gewinnen. Sei es aus geschichtsträchtigen oder geografischen Gründen.

Was soll als nächstes folgen? Ein Friedensfreundschaftsschal? Eine Menschenkette des Friedens?

Ach ja, erst einmal folgt am morgigen Freitag die gemeinsame PR-Aktion im Flughafen Münster/Osnabrück. Teilnehmer ist unter anderem Schwalbenkönig Benjamin Siegert, der dank seinem guten Standing in Osnabrück sicherlich die VfL-Fans besänftigen wird… nicht!

Die Fans möchten keinen Kuschelkurs, keine gemeinsamen Werbeaktionen und keine Phrasen, die sowieso ins Leere führen und für Unverständnis sorgen. Nein, genau das sorgt für noch mehr Aufregung!

Warum kann man nicht einfach schlicht seine Augen öffnen und anerkennen, dass es wirklich mehr ist als nur ein Spiel und die Bedeutung um einiges höher ist als ,,jede x-beliebige Partie“. Warum hört man in der Tagespresse nichts von klaren Zielsetzungen, Ansagen und unbedingten Siegeswillen der Spieler? Man muss stattdessen die Aussage lesen, dass man nicht pauschal sagen könne, ob ein Punkt in Münster zu wenig sei. Klar ist ein Punkt zu wenig, denn ein Derby will jeder gewinnen!!! Falls dies nicht der Fall ist, sollte man sich fragen, ob man sich wirklich mit seinem Klub identifiziert. Natürlich wird man am Ende sehen, ob die Leistung gestimmt hat und man auch mit einem Unentschieden leben kann. Jedoch muss doch VOR dem Derby für jeden die unabdingbare Einstellung sein: ,,Wir wollen in Münster gewinnen!“. Dies wird in Münster so sein und sollte auch in Osnabrück so sein, basta!

Kein Dreck

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3 Kommentare zu “Kuschelkurs beim Derby – Muss das sein?

  1. Der Westfälische Friede wurde vielleicht durch Kuscheln erkämpft, aber nie der Derbysieg! Und: Hosentausch nach dem Abpfiff lehne ich ab. Dafür zahle ich nicht mein Bier!

  2. Werter Blog-Kollege,
    deine Bewertungen sind (leider) absolut zutreffend und deckt sich mit meiner (und vieler anderer Preußen) Meinung!
    Diese Schrottaktion hat nicht ansatzweise den Effekt, den die Vereinsvorstände – mal wieder unter völliger Ausblendung der Faninteressen – ausgeheckt haben!
    Typischer Fall von „Gut Gemeint“, mit viel Potential nach hinten loszugehen!

    Mit der Euch gebührenden Hochachtung
    Schwecht Bambonum
    http://www.meinscp.blogsport.de

  3. Sehr schöner Kommentar. Das Friede, Freude, Eierkuchen-Gehabe geht mir auch auf den Sack. Was zählt ist Samstag – und dort muss die Leistung stimmen und den Preußen gezeigt werden, wer die Nummer 1 der Region ist. Den Fallsüchtigen Tretern um Siegert und Bischoff wird hoffentlich komplett der Schneid abgekauft werden, sodass auch deren Emotionskanone Loose nach dem Spiel neidlos den Sieg der Osnabrücker anerkennen wird. Bis Samstag!

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