Neuzugänge im Check: Gut nachgelegt, aber noch Potential!

Gastblogger Malte Kuhlmann checkt die Neuzugänge des VfL:

Seit sechs Spielen unbesiegt rangiert der VfL zur Zeit in einer unglaublich engen 3. Liga auf dem 6. Platz. Mit einem Sieg im Heimspiel am Freitag gegen die Zweite des VfB Stuttgart kann das Team von Coach Maik Walpurgis zumindest vorübergehend Tabellenführer werden. Wenigstens auf dem Platz scheint endlich Ruhe einzukehren, wenn auch viele Last-Minute-Gegentore in letzter Zeit eine bessere Punkteausbeute gekostet haben. Wie es um den Verein herum steht, wird man bei der Jahreshauptversammlung in knapp zwei Wochen sehen. Heute möchten wir aber beim Sportlichen bleiben und uns einmal genau anschauen, wie die Neuzugänge im Sommer von Trainer Maik Walpurgis eingeschlagen haben. Dabei teile ich die Spieler in vier Kategorieren auf: „Überragend,“ „Gut“, „im Blickfeld“ (frei nach dem Sportfachmagazin „Kicker“) und „Nicht überzeugend“.

 Überragend: Nicht nur Menga zu nennen

Natürlich fällt jedem bei Betrachtung des VfL in dieser Spielzeit direkt auf, welcher Akteur heraussticht. Ein Rückkehrer, der hier gerade seinen zweiten Frühling erlebt. Die Rede ist natürlich von Addy-Waku Menga, der im Sommer nach siebenjähriger Abstinenz zurück in seine Fußballstube, der Bremer Brücke, gekehrt ist. Mit 14 Scorerpunkten (9 Tore, 5 Vorlagen) rangiert er in der Scorer-Wertung unangefochten auf dem Spitzenplatz. In der Torschützenliste teilt er diesen (noch) mit Justin Eilers (Dresden) und Marcel Ziemer (Rostock). Unvergessen bleibt das Tor in Köln zum wichtigen 1:0-Auswärtssieg nach genialem Solo oder das Last-Minute-Tor in Unterhaching, wo er zuvor bei sicherer Führung die Vorentscheidung fahrlässig verpasste. Zusammen mit Stanislav Iljutcenko hat Menga einen genialen Partner, der ihm bereits einige Bälle aufgelegte und ohne den unser aller Publikumsliebling nur halb so viele Tore auf dem Konto hätte.

Neben Menga bin ich in den letzten Spielen vor allem von einem Mann Fan geworden: Christian Groß! Eben dieser Groß spielt in den letzten Wochen wirklich „groß“ auf und ist zusammen mit Nico Feldhahn auf der Doppel-6 ein Garant für den derzeitigen Erfolg. Zu Beginn noch rechts hinten mit Schwächen aktiv und auch in der Innenverteidigung nicht ganz glücklich, ist Groß mittlerweile auf seiner Stammposition im defensiven Mittelfeld nicht mehr wegzudenken. Immer wieder verdichtet er wunderbar das Zentrum und gewinnt entscheidende Zweikämpfe, spielt einen sehr guten Pass ohne dabei wirklich richtig torgefährlich zu werden. Wozu auch, wenn dies seine Mitspieler im Team genauso gut übernehmen. Dabei ist der 25-jährige, der schon in der Jugend für unseren VfL spielte, auch außerhalb des Platzes ein angenehmer Zeitgenosse.

Gut: Flügelspieler mit Verletzungsproblemen

Verlässlicher Ersatz für Stephan Thee: Massimo Ornatelli

Verlässlicher Ersatz für Thee:  Massimo Ornatelli

Nach ebenfalls anfänglichen Schwierigkeiten hat sich Stephan Thee im rechten Mittelfeld einen Stammplatz erarbeitet. Leider wirft ihn eine Verletzung, die eine Pausen für die nächsten Wochen erfordert, gerade jetzt in der Phase des Formhochs etwas zurück, allerdings wird Massi Ornatelli ihn gleichwertig ersetzen. Mit einigen dynamischen Aktionen und einer hohen Grundschnelligkeit sorgt Thee auf der rechten Seite für Wirbel, traf zuletzt gegen Großaspach und Dortmunds Reserve. Es bleibt zu hoffen, dass er bald wieder an seine Leistungen vor der Verletzung anknüpfen wird.

Dies gilt auch für einen weiteren verletzten Mann. Marcel Kandziora. Ebenfalls wie viele zu Beginn noch mit Problemen auf dem Feld, war er spätestens seit dem Heimsieg gegen die Kieler Störche ein absoluter Leistungsträger auf der linken Außenbahn. Zugegeben, ich habe ihn zu Saisonbeginn als Fehleinkauf abgestempelt, weil mir seine Auftritte zunächst sehr missfielen – aber vermutlich war meine Erwartungshaltung an einen der wenigen zweitligaerprobten Neuzugang zu hoch bzw. benötigte Kandziora etwas mehr Anlaufzeit, als ich ihm zugestanden hatte. Gegen Mainz 05 II saß er zuletzt wieder auf der Bank und eine Rückkehr auf den Platz in naher Zukunft ist nicht ausgeschlossen.

Nicht nur Neuzugänge aus dem Angriff und dem Mittelfeld haben in den bisherigen 15 Partien durchaus überzeugen können. Auch in der Abwehr spielt Neuzugang Tobias Willers eine wirklich gute Rolle. Zusammen mit Dave Pisot hält er hinten den Laden sauber, zudem traf der Neuzugang aus Leipzig auch vorne – und wie! Im Testspiel gegen Hannover 96 (2:0 – gewinnen wir jetzt eigentlich jedes Heimspiel 2:0?) holte er eine geniale Wumme raus, die man sich gerne noch mal ansehen darf: Zum Video auf Youtube

 Im Blickfeld: Lösung für Problemposition in Sicht!

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Konnte bisher nicht überzeugen: Milad Salem

In dieser „Kategorie“ sind die Spieler gelandet, die bisher gute Ansätze, aber weitgehend keine Konstanz in Ihren Leistungen gezeigt haben. Liest man sich den bisherigen Beiträg durch, konnten viele Spieler zunächst nicht überzeugen, richtig. Dies war der Situation geschuldet lag daran, dass sie sich alle auf der Position des Rechtsverteidigers probieren mussten, weil Kim Falkenberg sich im ersten Testspiel gegen Lotte schwer verletzte und kein Ersatz in Aussicht war. So übten sich Groß, Thee, Willers etc. vergebens. Nun ist Falkenberg endlich wieder da und zeigt von Beginn an seine Qualitäten mit einer Vorlage in Rostock für Addys Führungstreffer oder auch einer starken Defensivleistung gegen Hannover. Bleibt zu hoffen, dass der verletzungsanfällige Mann endlich frei von allen Wehwehchen bleibt und dauerhaft die Lösung auf der rechten Abwehrseite bildet.

Neben Tobi Willers kam am letzten Tag des Transferfensters auch Maximilian Wagener aus der Talentschmiede von Bayer 04 Leverkusen zum Team dazu. Bisher entwickelt er sich zwar noch nicht zu einem Kevin Kampl (wobei der sich so richtig ja auch erst nach dem VfL „entwickelt“ hat), aber zeigt vor allem in den letzten Begegnungen Leistungen, die durchaus Hoffnungen erregen. Das Problem bei ihm liegt jedoch darin, dass auf seiner Position mit Christian Groß und Co-Kapitän Nico Feldhahn große Konkurrenz herrscht.

Begnadeter Freistoßkünstler blieb hinter Erwartungen zurück

…denn hier möchte auch Sofien Chahed endlich wieder mehr mitmischen. Konnte Chahed mich zu Beginn der Saison in den Testspielen und unter anderem in Köln und gegen Erfurt wirklich sehr überzeugen, kommt er in den letzten Wochen fast überhaupt nicht mehr zum Zuge, was neben einer kleinen Verletzung auch eben dem Konkurrenzkampf geschuldet ist. Ich möchte den Techniker Chahed noch nicht abschreiben, weil er eben ein anderer Spielertyp ist als Groß, Feldhahn oder auch Wagener.

Ebenfalls ins Blickfeld hat es Milad Salem geschafft. Der begnadete Freistoßkünstler spielte vor allem zu Saisonbeginn groß auf und traf per ruhendem Ball – endlich hatten wir wieder einen Standardspezialisten! Blöd nur, dass ansonsten nicht viel kommt vom Neuzugang aus Elversberg. Seinen Stammplatz hat er unlängst an Kandziora und/oder Hohnstedt verloren, die nicht nur nach vorne Druck machen, sondern auch die Defensivarbeit im Gegensatz zu Salem nicht vernachlässigen.

Nicht ganz verstehe ich, warum Maik Odenthal bei Maik Walpurgis noch nicht zum Zug gekommen ist, obwohl er mir in jedem Testspiel, welches ich von ihm gesehen habe, sehr überzeugt hat und auch zuletzt gegen Hannover getroffen hat. Seine Entwicklung bleibt zu beobachten, schließlich ist er noch ein junger Kerl, der das Potenzial in diesem Jahr schon angedeutet hat!

„Nicht überzeugt“: Offensiv-“Power“ und Defensiv-“Künstler“

Mit 15 Toren aus der Regionalliga ist von unserem „Nachbarn“, den Sportfreunden Lotte, Kevin Freiberger an die Bremer Brücke gewechselt. Seit jeher hat er nicht mehr getroffen. In keinem Pflichtspiel für die erste Mannschaft, nicht bei seinen zwei Einsätzen in der Oberliga und auch nicht in einem Testspiel (ausgenommen dem 13:0 über die VW-Auswahl zu Saisonbeginn). Leider scheint man den schnellen Stürmer als „Flop“ verbuchen zu können, auch wenn er vielleicht eine etwas längere Anlaufzeit benötigt als andere. Dass man es schwer hat am eingespielten Sturmduo Menga und Iljutcenko vorbeizukommen, merkt auch Marcos Alvarez.

Der Italiener Davide Grassi gehört zur Zeit nicht zur Stammelf

Der Italiener Davide Grassi gehört zur Zeit nicht zur Stammelf

Der „bullige“ Stürmertyp kann mich bisher noch gar nicht überzeugen. Kommt er mal auf den Platz, so liegt er schnell am Boden und auch selbst fällt er des Öfteren durch Fouls auf (was sicherlich nicht schlecht ist, um den Spielfluss an und ab zu stören, aber bei zunehmender Häufigkeit…). Mit seinen 23 Jahren steht er noch am Beginn seiner Karriere und es ist nicht auszuschließen, dass er nach dem harten Winterfahrplan zur Rückrunde angreifen wird. Seine Qualitäten durften wir beim Auftritt der Stuttgarter Kickers (2:2) letztes Jahr an der Brücke bereits erfahren, als er uns im Alleingang einen Punkt stahl.

Lange Zeit im Probetraining war Legionär Davide Grassi – bis er schließlich das Trainerteam von seinen Qualitäten überzeugen konnte. Auf dem Rasen lässt er diese jedoch noch vermissen. So stand er vor seiner Verletzung und der Ablösung durch Tobi Willers oftmals weit weg von seinen Gegenspielern, griff nicht früh genug an oder klärte einfache Bälle unnötig ins Seitenaus. Mit den Italienern scheint es der VfL in vielerlei Hinsicht zu haben. Erinnert sei an dieser Stelle an Massimilian Porcello, der insgesamt nur vier Spiele für uns gemacht hat (aber sonst nichts verbrochen hat 😉 ) oder an einen gewissen Gaetano M., der bei seinem derzeitigen Arbeitgeber auch nicht zum Zuge kommt. Auszuklammern ist Massi Ornatelli, der sich mit seiner Vertragsverlängerung im Frühling zum VfL bekannt hat und entsprechende Leistung bringt.

Nicht zu bewerten: „Winterneuzugang“ Sembolo

Mit Francky Sembolo kam kurz vor Toreschluss des Transferfensters ein weiterer bulliger Stürmer mit Knipser-Qualitäten. Wie viele haben sich auf den Kongo-Sturm mit ihm und Addy gefreut? Allerdings vermisste man ihn lange auf dem Platz. Hatte er zu Beginn mit einem großen Trainingsrückstand zu kämpfen, scheint er mittlerweile näher ans Team herangerückt zu sein. Spätestens nach der Winterpause wird man dann Sembolo auch auf dem Platz regelmäßig sehen – und hoffentlich macht er es seinem Landsmann gleich und sorgt für die nötigen Treffer. Bis dato ist er meiner Meinung nach aber nicht zu bewerten.

Fazit:

Insgesamt kann man sagen, dass der VfL im Sommer gut nachgelegt hat und mit Addy Menga einen echten „Coup“ gelandet hat. Die vielen Neuzugänge haben etwas gebraucht um hineinzufinden im Team, aber bis auf wenige Ausnahmen haben die meisten ihren Platz gefunden. Wenn meine Hoffnungen, dass Falkenberg die rechte Abwehrseite endlich dicht macht, bestätigt werden und wir ansonsten verletzungsfrei bleiben, sehe ich wirklich positiv in die Zukunft, sodass man im Winter auf etwaige Neuzugänge durchaus verzichten kann, weil der Kader insgesamt in der Breite deutlich besser aufgestellt ist als in der vergangenen Saison.

FOTO: Flohre Fotografie

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