Das Phänomen Björn Lindemann – Reif für eine Rückkehr?

Björn Lindemann, wohin man nur schaut. Es ist wieder eine dieser Phasen im beliebten Fanforum ,,Treffpunkt“ angebrochen, in der jeder seinen Senf zum ehemaligen Mittelfeldakteur des VfL abgeben muss. Im Mittelpunkt der Beiträge stehen oftmals Forderungen nach einer Rückkehr oder eben die Ablehnung einer zweiten Ära Lindemanns beim VfL. Vielen blieb er auf seiner Zehner-Position als Kopf der Offensive in Erinnerung. In der Saison 2009/2010 war der mittlerweile 29-Jährige maßgeblich am Aufstieg in die 2. Liga beteiligt. In 36 Spielen erzielte er 11 Treffer und bereite 13 weitere Tore gekonnt vor. Mit seiner außergewöhnlichen Technik und seinem wuchtigen Abschluss ließ er manche Abwehrreihe alt aussehen. Im April 2011 folgte die plötzliche Suspendierung, nachdem er zusammen mit Kevin Schöneberg alkoholisiert und verspätet zum Training erschien. Seitdem bereut er seinen schwerwiegenden Fehler, wie er immer wieder betont. Auch in Jena wurde er nicht glücklich und verlor eigenen Aussagen nach sogar die Lust am Fußball, was letztendlich zur Vertragsauflösung führte. Als einziger deutscher Fußballspieler wagte er den Schritt nach Thailand und lebt mit seiner Freundin im Stadtzentrum von Bangkok. In der Thai Premier League, der höchsten Spielklasse, hatte er es zunächst nicht leicht als ,,reicher Deutscher“, wie er die Sichtweise seiner Teamkollegen auf ihn in der ,,Zeit“ darstellte. Doch Aufgeben kam für ,,Linde“ nicht in Frage. Unter einem neuen Coach konnte er seine Chance nutzen und zählt nach dem Aufschwung derzeit zu den besten Profis der Liga.

Lindemann

Auf Torejagd im Trikot des VfL

Eine Online-Petition auf Facebook mit über 1000 Unterstützern verlieh den immer wieder präsenten Argumentationen für eine Rückkehr im September Nachdruck. Und auch im ,,Treffpunkt“ wollen die mit Leidenschaft geführten Diskussionsabende nicht abreißen. Auf Lindemanns persönlicher Facebookseite äußerte er mehrmals den Wunsch, wieder in Osnabrück auf dem Platz stehen zu wollen, wenn sich die Möglichkeit bietet. Der Profit für den Verein wäre immens. Ein Ruck würde durch unsere Hasestadt gehen und gesunde Euphorie entfachen. Ein echter Motor im Mittelfeld, der das Heft in die Hand nimmt und zeigt, wo es lang geht, ist aktuell nicht auszumachen. Jemand, der die Fans durch seine Art und Weise Fußball zu spielen mitreißen kann. Jemand, vor dem der Gegner höchsten Respekt zeigt. Und jemand, der sich einhundertprozentig mit dem Verein identifiziert, den jungen Talenten an seiner Erfahrung teilhaben lässt und Emotionen zeigt, wenn es drauf ankommt. Abzusehende Mehreinnahmen im Merchandisingbereich und ein Anstieg der Zuschauerzahlen würden die Finanzierung eines Transfers erleichtern. Manchmal muss man über seinen Schatten springen und skurrile Dinge wagen, die sich im Nachhinein allerdings als Erfolg herausstellen. Ein Vertrag bis zum Saisonende mit Option auf ein weiteres Jahr wäre bei einer eventuellen Ausdünnung des Kaders in der Winterpause nicht zu hoch gegriffen. Ein Gedanke sollte die Personalie dem Trainerteam des VfL allemal wert sein. Der Mensch Björn Lindemann ist in der vergangenen Zeit gereift und hängt nach wie vor an Lila-Weiss. Warum sollte man ihm eine zweite Chance verwehren? Ein Mehrwert wäre aufgrund seines Bekanntheitsgrades, seinen fußballerischen Fähigkeiten sowie seiner Persönlichkeit für alle Beteiligten gegeben, besonders jedoch für das größte Vermögen des Vereins: Die Fans.

Im Folgenden möchte ich einen Brief von Björn Lindemann veröffentlichen, den er im Sommer diesen Jahres für das VfL-Fanmagazin ,,Brückenpfeiler“ zukommen ließ. Wegen Redaktionsschluss wurde ein Abdruck leider verhindert. Aus seinen Aussagen spricht eine deutlich spürbare Sehnsucht heraus. Die Sehnsucht nach ehrlichen Fußballschlachten an der Bremer Brücke…

Liebe VfL-Fans,

es ist schon lustig. Ich schreibe diesen Brief gerade in Bangkok und ihr lest diesen Artikel in Osnabrück! Da sieht man mal wieder wie klein die Welt ist. Aber das habe ich im letzten Jahr des Öfteren gesehen. Seien es Fans des VfL , die mich in Thailand besucht haben oder Trikots von meiner Person wollten. Es war sogar ein Osnabrücker mit Army-Trikot beim Champions League Finale in London!  Wow, das kann man mit keinem Gehalt der Welt bezahlen. Es ehrt mich einfach, dass ich bei einigen trotz meiner Fehler immer noch Sympathien habe. Da denke ich auch an meine Zeit nach meiner Station in Osnabrück. Der Schritt nach Jena hätte mich fast meine Karriere gekostet, denn dort habe ich die Lust am Fußball verloren! Alle dort dachten ,,ja der ist nicht einfach, kann aber kicken!“. Das ist aber nicht das Entscheidende im Fußball.

Mir fehlte einfach das Umfeld wie in Osnabrück; es ist einfach meine zweite Heimat geworden. Das Stadion, das Publikum, die Familie in der Nähe und viele Freunde. Es hat einfach gefunkt! Darum war der Wechsel nach Jena einfach ein Missverständnis. Umso wichtiger kam für mich der Schritt nach Thailand. Nie habe ich mich mit Fußball im Ausland beschäftigt und es war die ersten sechs Monate sehr schwer. Ich bekam Zweifel. Dann habe ich mich von meinem Berater getrennt und gesagt: Linde, komm jetzt musst du mal ein großer Junge werden! Darüber hinaus hat meine Freundin mir sehr geholfen. Es war nicht fußballerisch gesehen ein wichtiger Schritt, sondern menschlich. Man ist einfach viel mehr auf sich alleine gestellt und muss erwachsener sein. Darum werde ich die Zeit in Thailand auch nie in meinen Leben vergessen, denn sie hat mich wirklich weiter gebracht. Fußballerisch bin ich mittlerweile auch hier wieder sehr gefragt (nicht umsonst unter den Top 10 Spielern der Liga)! Im Mai war ein VfL-Fan in Thailand im Urlaub und hat mich gefragt, ob man sich nicht mal treffen könnte. Ich antwortete: ,,Klar“. Es war der Tag, an dem das Relegationsrückspiel gegen Dresden stattfand. Kurz darauf sagte ich ihm: ,,Ok, komm’ heute Abend rum und wir schauen zusammen!“ (Je mehr Emotionen, desto besser). Das Spiel war das Highlight schlechthin. Allein beim Einlaufen der Teams habe ich Gänsehaut bekommen und dachte an die Pokalzeit 2010. Wir plauderten über manche Dinge wie den legendären Sieg über den HSV. Schmiddy, der Handballer, wie Krüki (red. Anmerkung: Alexander Dercho) ihn nach seinem Foul angemacht hat und alle erst einmal am Boden waren. In meinem Kopf kam mir der Appell: ,,Jungs, kommt, wir packen das! Wir spielen zu Hause unter Flutlicht, die Fans peitschen uns, da geht noch was!“. Und jeder kennt das den Ausgang des Spiels. Das war einfach geil! Ich hatte wirklich tolle Erlebnisse bei euch!! Was ich auch nicht vergessen werde ist die Ankunft im FMO. Hammer, was für einen Empfang wir dort bekommen haben.

Eine unvergessene Zeit! Der Abstieg hat wehgetan und mich trifft sicher eine Mitschuld. Denn hätte ich damals so gedacht wie ich es heute tue, würde ich vielleicht immer noch an der Bremer Brücke treffen. Einer meiner traurigsten Tage, es tut mir so leid! Aber ich habe mich dumm angestellt und habe es nicht respektiert, was mir gegeben wurde. Darum war ich umso mehr erleichtert, dass die Lizenz da ist und der Verein jetzt einen vernünftigen Weg einschlägt. Denn das Potential im Verein ist groß. Die Stadt lebt den Fußball und wenn alle vernünftige Arbeit leisten, wird der VfL über kurz oder lang das erreichen, was er auch verdient und das ist mindestens die 2. Liga (Eine Träne kullert immer)! Darum meckert nicht, wenn es mal nicht um den Aufstieg geht und unterstützt die Jungs. Ich werde auch versuchen, mir so viele Spiele wie anzusehen). Und das geht nur zusammen. Genießt jedes Wochenende mit Profifußball und Herr Walpurgis wird einen guten Job machen, da bin ich mir sicher! Der Vorstand wird den VfL auch auf einen erfolgreichen Weg bringen, von dem was ich mitbekomme. Also Wir – Gemeinsam – Jetzt!

Alles Gute aus Thailand

Euer Björn Lindemann (22. Juni 2013)

Wer sich die schönsten Momente der Nummer 10 im Trikot des VfL noch einmal vor Auge führen möchte, dem lege ich das hier verlinkte Video sehr ans Herz.

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