Spürbare Ernüchterung, nicht nur auf dem Platz…

Die Zuschauerzahlen bei Heimspielen des VfL gehen, wenn man genau hinsieht, seit Anfang der Saison langsam aber sicher zurück (siehe Tabelle). Kamen im Vorjahr zum selben Zeitpunkt noch durchschnittlich 10.857 Fans an die Bremer Brücke, so sind es derzeit über 1000 Zuschauer pro Partie weniger. Das elektrisierende Nachbarschaftsduell gegen Münster, welches als Zuschauermagnet für eine nahezu vollständige Auslastung sorgt, ging auch im vergangenen Jahr innerhalb der ersten sieben Heimbegegnungen über die Bühne, sodass ein Vergleich durchaus angebracht ist.

Zuschauerbilanz des VfL nach 7 Heimspielen

Zuschauerbilanz des VfL nach 7 Heimspielen

Doch wo liegen die Gründe für den schleichenden Rückgang? Welche Hintergründe lassen die Zahlen fundiert und plausibel erklären? Einerseits findet sich das Team von Maik Walpurgis im Gegensatz zum Vorjahr nicht direkt in der Spitzengruppe der Liga wieder und belegt Rang sechs. Nach dem 14. Spieltag der Saison 2012/2013 sah das Bild ein wenig anders aus und man durfte sich in VfL-Kreisen über einen überraschenden zweiten Platz freuen, punktgleich mit den Erstplatzierten Münsteranern. Dass ein besserer Tabellenplatz dementsprechend auch mehr Fans ins Stadion lockt, dürfte offensichtlich sein. Jedoch kann dies  nicht die alleinige Ursache für die rückläufigen Zahlen sein. Auch überteuerte Eintrittspreise spielen auf Dauer eine nicht unerhebliche Rolle. Wer in der dritten Liga eine Vollzahler Sitzplatzkarte für 30 Euro anbietet, sollte sich nicht wundern, wenn die Tribünen halbleer bleiben. Besonders, wenn zwei Spiele innerhalb von nur drei Tagen stattfinden, wie es Anfang Oktober beim verlegten Derby und dem anschließenden Kräftemessen mit dem SV Wehen Wiesbaden (6901 Zuschauer) der Fall war. Der Familienvater wird sich sicherlich zwei Mal überlegen, ob er innerhalb kurzer Zeit 60 Euro für einen Drittligisten auf den Tisch legt – plus eventuelle Kosten für weitere Familienmitglieder. Deutlich mehr Sinn würde eine preisliche Einteilung nach Tribünenbereichen ergeben, wie es in vielen anderen Stadien gegeben ist. Einfaches Beispiel: Wer außen sitzt zahlt weniger als an der Spielfeldmitte, da die Sichtverhältnisse unterschiedlich sind.

Ein nächster Faktor könnte auf die eher mäßige Bewerbung von Heimspielen seitens des Vereins führen. Die alten und kultigen  Spieltagsankündigungen an den Litfasssäulen der Stadt gehören der Vergangenheit an und werden vermisst. In der Tageszeitung sucht man vergeblich nach Aufrufen oder Appellen, die einem den entscheidenden Anstoß verpassen könnten. Mit ansprechenden Slogans und dem Verzicht auf die üblichen Floskeln bietet sich die Chance den ein oder anderen Zuschauer mehr an die Brücke zu locken. Wenn man die angegebene Tabelle näher unter die Lupe nimmt, darf beispielsweise auch die große Anzahl an Gästefans im Nordduell gegen Hansa Rostock nicht unerwähnt bleiben, die die endgültige Zuschauerzahl relativiert.

Jeder einzelne Fan zählt und ist wichtig; mit einem durchdachten Handeln nach diesem Motto lässt sich viel erreichen. Ziel muss es sein, das Erlebnis ,,VfL“ schmackhaft zu verpacken und zu verbreiten. Von selbst kommen die Fans in spannenden Saisonendphasen und Derbys, doch um auch bei mittelmäßigen Platzierungen einen guten Schnitt zu erreichen, bedarf es Anstrengungen und Marketingideen. Ein Fan möchte das Gefühl erlangen, gebraucht zu werden. Die Übermittlung dieser Botschaft ist ein wesentlicher Baustein für ein positives Vereinsbild.  Öffentlich zu äußern, dass der VfL für die Stadt Osnabrück ein wichtiger Imageträger sei, ist selbstverständlich korrekt, doch ist eine solche Aussage schon Anlass für Sie den Weg ins Stadion zu suchen? (Individuelle) Beweggründe für die zuletzt nur knapp 7000 Zuschauer gibt es wohl noch mehr, und letztendlich laufen sie allesamt zu einer momentan ernüchternden Gesamtheit zusammen.

Der aus den Zahlen deutlich werdende Rückgang kommt deshalb für mich nicht gänzlich überraschend und war unter genauem Betrachten sogar absehbar. Nun bleibt abzuwarten, ob man an den richtigen Stellen ansetzen und einen zielführenden Plan zur Stärkung der Fanbasis und zum Gewinn potentieller Zuschauern aufstellen kann, damit sich die schrittweise Entwicklung nicht weiter fortsetzt.

Foto: Flohre Fotografie

Ein Kommentar zu “Spürbare Ernüchterung, nicht nur auf dem Platz…

  1. Wer nicht rafft, daß Fußball nur vor Ort am schönsten ist, ok. Kann Gründe haben, nicht zu kommen. Wer immer da ist, ist ein Fan, auch die unterschiedlich, aber gerade um die punktuell kommenden Sympathisanten müßte man werben. Durch sportliche Leistung, aber auch durch gutes Vereinsimage. – Beim VfL stimmt derzeit beides nicht. Die Anfangseuphorie ist spätestens nach dem Pokalaus gegen Union verflogen, die wirtschaftliche Zitterpartie hält an. – Im worst case wird sich zeigen, wieviel Dauerkarten dann weniger verkauft würden und wie viele Fans dann eben doch als Erfolgsfans sich erweisen, eben als Eventgänger, als die eben noch gescholtenen.

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